Werbung im Wandel: Zwischen KI-Effizienz und menschlicher Kontrolle

February 2, 2024

In einer zunehmend automatisierten Welt stehen Werbetreibende vor einem Dilemma: Einerseits versprechen KI-gesteuerte Lösungen eine effizientere Kampagnenführung und ein präziseres Targeting, andererseits befürchten sie einen Verlust an Kontrolle und Transparenz. Kürzlich hat Google mehrere Updates seiner Responsive Search Ads (RSAs) angekündigt, die darauf abzielen, die Erstellung von Anzeigen zu straffen und die Investitionsrendite zu steigern. Diese Entwicklungen werfen jedoch Fragen auf, wie weit die Automatisierung gehen soll und welche Wahlmöglichkeiten den Werbetreibenden bleiben. Die Kritik einiger Werbetreibender konzentriert sich auf die zunehmende Automatisierung durch Google und die Angst, dass diese Entwicklung zu einem „Alles oder Nichts“-Szenario führt. Greg Finn, Director of Marketing für Cypress North, betonte gegenüber Search Engine Land die Bedeutung der Wahlmöglichkeit hinsichtlich der Automatisierung. Seiner Meinung nach könnten automatisch angewandte Empfehlungen, wie beim Smart Bidding, manchmal kontraproduktiv sein und die Gebote für bestimmte Branchen zu hoch ansetzen. Die Möglichkeit eines Opt-outs könnte die Leistung verbessern oder zumindest Verschwendung reduzieren. Werbetreibende möchten wissen, wie ihr Geld ausgegeben wird, doch Kampagnen wie Performance Max wirken wie eine Blackbox, die nur begrenzte Einblicke bietet. Peter Bowen, PPC-Berater, unterstützt zwar grundsätzlich die Nutzung von KI zur Optimierung von Kampagnenleistungen, besteht jedoch darauf, dass Werbetreibende die Möglichkeit haben sollten, sich gegen bestimmte Automatisierungen zu entscheiden. Insbesondere bei den RSA-Updates, wie der Anzeige einer einzelnen Überschrift basierend auf der vorhergesagten Leistung, fordert er mehr Kontrolle für optimale Ergebnisse. Ohne klare, vom Werbetreibenden definierte Einschränkungen könne die Automatisierung riskant sein. Anthony Higman, CEO der Online-Werbeagentur Adsquire, äußerte ebenfalls Bedenken hinsichtlich des Einsatzes von KI zur Bestimmung von Anzeigentextvariationen bei RSAs. Er beschrieb RSAs als "schrecklich" und wies auf ein Beispiel hin, bei dem ein KI-Fehler den Anzeigentext negativ beeinflusst hatte. Laut Higman fehlt es an Kontrolle, um Probleme wie dieses anzugehen oder zu verhindern, was seine Sorgen über die Gesamtqualität der automatisierten Funktionen von Google Ads unterstreicht. Werbung sei keine Einheitslösung, und schlechte Daten könnten die Entscheidungen der KI verzerren. Auf die Bedenken der Werbetreibenden reagierte Sylvanus Bent, Group Product Manager für Suchanzeigen bei Google. Er betonte, dass eine Kombination aus menschlicher Expertise und KI-gestützten Einsichten für optimale Kampagnenergebnisse sorgen würde. KI sei ein kritischer Bestandteil des Werbesystems und Google sei darauf bedacht, den Werbetreibenden die notwendigen Werkzeuge zu bieten, um von der Erstellung einer Kampagne bis hin zu KI-gestützten Berichten, Einblicken und Optimierungsempfehlungen die Kontrolle zu behalten. Um die Qualität der RSAs zu verbessern, riet Bent den Werbetreibenden, den besten Praktiken des Unternehmens zu folgen. Er hob die Bedeutung von Funktionen wie Ad Strength hervor, die Kampagnen optimieren und zu einer durchschnittlichen Konversionssteigerung von 12% führen können, wenn die Bewertung von "Schlecht" auf "Ausgezeichnet" verbessert wird. In Bezug auf die Zukunft der Automatisierung äußerte sich Sundar Pichai, CEO von Alphabet, optimistisch über die positiven Auswirkungen der KI-Investitionen Googles. Trotz dieser positiven Aussichten bleiben einige Werbetreibende skeptisch und befürchten, dass Google auf eine vollständige Automatisierung zusteuert, was ihre Marketingstrategien erheblich beeinflussen könnte. Bent versicherte jedoch, dass die Mehrheit der Google-Werbetreibenden bereits KI einsetzt und dass das Unternehmen sich weiterhin auf Investitionen in diesem Bereich konzentrieren wird. Er forderte die Werbegemeinschaft auf, ehrliche Bedenken zu äußern und Feedback zu geben, in der Hoffnung, dass eine solche Zusammenarbeit Google ermöglichen wird, seine Angebote auf Basis wertvoller Erkenntnisse von Werbetreibenden zu verfeinern. Zusammenfassend steht die Werbebranche an einem Wendepunkt, an dem die Balance zwischen menschlichem Einfluss und maschineller Effizienz neu austariert wird. Werbetreibende suchen nach Wegen, um von automatisierten Lösungen zu profitieren, ohne die Kontrolle über ihre Kampagnen und die damit verbundenen Daten zu verlieren. Google scheint bereit zu sein, auf diese Bedenken einzugehen, indem es sowohl die Technologie verbessert als auch die Kommunikation mit seinen Nutzern verstärkt.